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21. Februar 2012, 11:42
Die Tage danach
Die Tage werden wieder länger - meine Nächte leider auch. Schlafstörungen, immer wieder Aufwachen, chaotische Traumerinnerungen und sogar Schuldgefühle. Das nennt man also Trauma. Eigentlich will und wollte ich es nicht wahrhaben, doch die beste Medizin für solche Ereignisse ist, dass man beginnt, seine schrecklichen Erinnerungen, zu verarbeiten, darüber zu reden, um sie schlussendlich ganz zu beseitigen. Ich habe schon vielen Menschen geholfen, solche Schreckenserlebnisse zu verarbeiten und nun? Nun stehe ich an der genau gleichen Stelle, bin voller Schuldgefühle, dass ich im entscheidenden Moment versagt habe. Wieso habe ich dies, wieso das nicht gemacht.....
21.2.12 Zürich, mk (mk) Ein Feuer, das wie ein liebliches wärmendes Etwas aussieht, kann sich mit entsprechender Nahrung innert Sekunden zur Feuer speienden Bestie mit verheerenden Auswirkung entwickeln. So oder ähnlich ist es abgelaufen. Aus einem Feuerchen wurde innert Sekunden ein brennendes Inferno. Längst ist der Verstand der Betreffenden ausgeschaltet, längst ist ein Handeln der Vernunft unmöglich geworden. Das Feuer lässt dir überhaupt keine Chance, deiner Vernunft folge zu leisten. Wer dem Tod ins Auge geschaut hat, hat sich mit ihm längst abgefunden. Was folgt ist ein Schmerz und dann das unwiderrufliche Aus. Das Feuer ist allerdings wie eine Hypnose, der, der schon einmal hypnotisiert worden ist, weiss die Gefühle, die da stattfinden. Du vernimmst alles aus weiter Ferne, du bist hilflos, du reagierst unglücklich oder auch überhaupt nicht.
Es gehen dir verrückte Gedanken durch den Kopf. Du musst zusehen, wie dein Heim bis auf die Grundreste abbrennt - du willst helfen, doch du kannst nicht. Du musstest alles zurücklassen, dein Hab und Gut, alles, ganz einfach alles. Dein treuer ständiger Begleiter ist im Feuer umgekommen, kläglich verbrannt - wieso konntest du ihm nicht helfen, wieso? Es sind verzweifelte Fragen, die du dir selber stellst, dir, dem, der nicht helfen konnte. Deine Erinnerungen aus der Vergangenheit, Fotos, Briefe, Andenken, Auszeichnungen sind verbrannt, deine Ausweise, deine ausgewiesene Identität ist für einen Moment oder für Tage erloschen. Deine Erinnerungen sind sozusagen ausgelöscht. Wirklich? Klar es schmerzt, wenn man keine Bildchen oder sonstige Erinnerungen mehr anschauen kann. Wie manchmal hat man das aber getan? Gültigkeit haben eigentlich nur die Erinnerungen, die im Herzen sind, die Wertvollen. Ein Mönch hat mir einmal gesagt:" Alles, was in deinem Herzen ist, du spürst und du fühlst, das bleibt, alles, was materiell ist, das vergeht. Und so ist es auch. Die Erinnerungen in meinem Herzen kann niemand nehmen. Sie sind rein.
Doch die Vorstellung allein übertrifft alles. Stell dir einmal Folgendes vor: Alles, was du besitzt, ist in einer auf die andere Sekunde weg. Einen Augenblick! Du schliesst die Augen und öffnest sie wieder. Mach sie wieder auf und jetzt wäre alles weg. Dein Auto, deine Stereoanlage, dein Gold, deine Wohnung, dein Haus etc..... Was denkst du? Was fühlst du? Was erwartest du? Lass zuerst bei geschlossenen Augen dein Reichtum in farbigen Bildern vorüber ziehen. Dann hör hinein, was hörst du? Kannst du überhaupt was hören? Und dann, dann fühle, fühle wie der Verlust deines Hab und Gutes sich auf dich auswirkt? Dann riech es! Was riechst du? Etwa Feuer oder sonst was...und jetzt darfst du wieder zurückkommen, zurückkommen in die Welt deines Wohlstandes und deines Erschaffens.
Das Feuer wird immer grösser. Zuerst züngeln nur einige grosse Flammen an den Wänden empor. Sie werden mehr und mehr und fressen alles, was da ist. Sie nehmen keine Rücksicht auf deine Berufsausrüstung, keine Rücksicht auf deine Kleider, keine Rücksicht auf dein Geld, deine Karten, den Tisch, die Polster, die Kissen, das teure Bettzeug. Und selbst dein Spezialshampo geht in Sekundenbruchteilen in Flammen auf.
Nun sind Tage vergangen, das Feuer brennt immer noch. Ich kann die Augen nicht schliessen ohne Feuer zu sehen, die Wärme zu spüren und den beissenden Rauch förmlich mit der Nase und dem Geruch einzuatmen. Ich sehe die Bilder, höre die Schreie und versuche in Träumen immer noch mit den herbeigeeilten Helfern das Feuer zu löschen.
Ich habe in den vergangenen Tage aber auch viel Hilfe erfahren dürfen, von Freunden, meinen erwachsenen Kindern und von Menschen, von denen ich es nie gedacht hätte. Nur Einige, die ich als Freunde eingestuft habe, von diesen habe ich nichts gehört. Die Bereitschaft der Hilfe ist gross und man schätzt sie auch. Man braucht sie auch. Und wenn sogar eine SMS aus den USA mir wieder viel Kraft wünscht, so weiss man, dass man auch wirklich grandiose Freunde hat.
Hätte ich nicht meine Frau, nicht meine Freunde und nicht Sport-heute.ch, so wüsste ich nicht, wie es weitergehen würde. Ich weiss aber jetzt nach den vielen Mails und den Gefühlen für uns, dass ich eine riesige Familie habe. Überall, auf der ganzen Welt und das ist schön. Und dass ich das alles schreiben darf, wird mich irgendwann in nächster Zeit wieder auf den richtigen Weg führen. Alles wird nicht mehr so sein wie früher. Doch das neue Leben hat mich bereits wieder herzlich willkommen geheissen. Dafür danke ich Gott, dafür danke ich allen, die mir in irgendeiner Weise unter die Arme gegriffen haben. Es lebe das Leben!
Marcel Krebs
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