Samstag, 26. Mai 2012, 19:47:59 Uhr

14. Januar 2012, 01:09

Ich lauf durch die Nacht

Eine Gute Nacht Geschichte

Sind Sie auch schon mitten in der Nacht durch dunkle Wälder, einsame Schneefelder und den Felswänden entlang gelaufen? Um so richtig abzuschalten, gibt es nichts Schöneres. Das Unheimliche ist faszinierend, das Ungewisse prickelnd und das Unvorhergesehene einmalig. Begleiten Sie mich mitten in der Nacht durch die unheimlichen, schwarzen Wälder im Tösstal.

Zürich, 14.1.12 mk (mk) Vollmond, eine richtige Gruselnacht steht bevor. Nichts für schwache Nerven, den hinter jedem Baum könnte das Fatale lauern. Angst? Iwo! Bewaffnet mit einer Stirnlampe und meinen Carbon Jogging Stöcken einem kleinen Rucksack mit warmem Tee, einer Schokolade und sauren Schleckereien, mache ich mich kurz vor Mitternacht auf den Weg. Das Unheimliche naht, das Heimliche steht bevor. Für eine solche Nachtwanderung braucht es nicht nur starke Nerven, sondern auch viel Fantasie. Seit einiger Zeit mache ich diese Wanderungen, meistens allein, doch ab und zu auch in Begleitung. Natürlich ist Larry mein kleiner Wachhund auch dabei. Ihm gefällt es mitten in der Nacht am Besten.

Heute gehe ich nicht allein. Eine kleine Gruppe begleitet mich. Wir fahren mit den Autos zum Ausgangspunkt in einem kleinen Dorf. Gleich nach dem Dorfende führt uns der Weg dem kleinen Flüsschen entlang, stetig bergauf. Im Sommer herrscht hier herrliches Grün in allen Variationen. Unsere Schritte knirschen auf dem verschneiten, teilweise eisigen Weg. Still marschieren wir weiter in den Wald hinein. Immer wieder führen uns Treppenstufen wieder ein paar Höhenmeter weiter hinauf, hinauf zu unserem ersten magischen Ort.

Längst vor dem erreichen des kleinen Seeleins mit dem hohen Wasserfall, der direkt oberhalb liegt, plätschert das Wasser hinunter. Er führt um diese Jahreszeit nicht viel Wasser. Im Gegenteil, grosse Eiszapfen zieren die Felswände. Kurz vor dem Ziel geht es etwa 100 Höhenmeter hinunter zum einzigartigen magischen Ort. Wir haben längst unsere Fackeln angezündet, die Schatten unserer Silhouetten spiegeln sich an den mit Eis beschlagenen Felswänden. Unheimlich. Es ist still.

Wir stecken die Fackeln am Ufer ein und halten uns an den Händen, machen einen Kreis. Wir sind still. Der ausgestossene Atem macht im Lichte der Fackeln mit seinem Hauch Signale, als würde er die Geister rufen. Es ist ein Brauch der alten Sioux Indianer, schön, edel und wunderbar tief. Wir schweigen. Die Kraft die von diesem magischen Ort ausgeht, ist gross. Man spürt sie vollends wenn sie durch die Körper die sich fest an den Händen halten fliesst. Das Gefühl, das Ritual, die Kraft und die Natur sind vereint mit dem Mensch, mit Dir. Hier kann man loslassen, spüren und vergeben. Wir stehen 10, 20, 30 Minuten hier ohne ein Wort zu sagen und geniessen, und die Kraft der Kraftquelle zu spüren. Wir tanken sozusagen auf, füllen unsere Herzen mit Freude und Schönheit und geben unserem Körper Energie.

Es raschelt, da! - Ein Reh, nein zwei, drei, vier - eine ganze Herde steht da - ohne sich zu rühren. Larry schaut hin, bewegt sich nicht und wir staunen. Keine 10 Meter sind die Tiere von uns entfernt und lassen uns gewähren, unglaublich. Langsam ziehen sie sich zurück und wusch ist es vorbei. Dankbarkeit steigt in uns auf, Dankbarkeit das zu sehen, das zu spüren und zu fühlen.

Wir gehen weiter tiefer in den Wald hinein, wir haben jetzt nur unsere Stirnlampen an. Schweigsam ziehen wir durch den Wald, immer weiter, immer weiter. Da, Geraschel, was ist das? Wir können es nicht erkennen. Nach einer Stunde verlassen wir den Wald und stapfen durch tiefen Schnee. Kein Weg und doch ein Ziel. Wir wandern im Mondlicht. Steil geht es bergauf, steil wieder hinunter. Es ist kalt, bitterkalt und es beginnt zu schneien. Der Schneefall wird stärker immer stärker. Endlich, wir erreichen unser Ziel eine Hütte. Sie ist unser Raum, der Raum wo wir unseren Gefühlen und unserem Herzen nahe sind. Ich schliesse auf. Wir zünden die Lampe an, die sich tagsüber mit einer Solarzelle auflädt. Es sieht gemütlich aus. Obwohl nur schwach geheizt wird, ist es deutlich wärmer als draussen. Ein riesiger Kachelofen steht hinten in der Ecke. Wir machen ein kleines Feuer und können bald grössere gut gelagerte Hölzer einschieben. Es wird wärmer. Der kleine Herd mit dem Wasserschiff erwärmt sich. Es gibt heissen Tee. Ich schau in die Nacht hinaus - sehe nichts. Meine Hand wird gesucht. Ich habe Angst flüstert eine Stimme. Es ist unheimlich. Irgendetwas ist ebenfalls bei uns, wir sehen es nicht, doch wir spüren es. Ist es gut oder böse? Ist es feinfühlig oder grob? Was ist es?

Ich halte es nicht mehr aus - ich gehe hinaus in die Nacht. Ich laufe durch den tiefen Schnee. Ich geniesse und - ich entschwinde in der dunklen Nacht.

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