Samstag, 26. Mai 2012, 19:47:35 Uhr

06. Dezember 2011, 04:21

Ein Unglück kommt selten allein

Seit Wochen, ja schon seit Monaten lesen wir in der Zeitung immer wieder die gleichen Schlagzeilen. Euro vor dem Aus, Griechenland bankrott oder die EU vor dem Zusammenbruch. Man könnte meinen den Schreibern falle nichts mehr ein. Wo bleiben die so beliebten Unfälle und Verbrechen? Interessieren sie uns überhaupt nicht mehr? Manchmal hat dann zwischendurch der Einkauf in Deutschland noch seinen Platz für fettgedruckte Zeilen und das gleich hundert Mal in allen Blättern, von den Grossauflagen bis hin zum Wochenblättli entlang der Grenzen. Wir leben.....

Zürich, 6.12.11 mk (mk) Wir leben in einer so verrückten Zeit, dass wir uns an Niedergängen und Gewalttaten erheitern und unterhalten müssen oder auch bewusst wollen. Dies ist nämlich so: Können die Zeitungsverleger und Zeitungsmacher keine solchen Zeilen liefern, dann sind sie schon tot, bevor sie zu schreiben angefangen haben. Eigentlich wäre dies dann nicht schlimm, weil ja dann die Rubrik mit den Gewalttaten und Verbrechen gefüllt würde - und die wiederum würde ja das Überleben der Redaktoren gewährleisten. Die Welt spielt verrückt - Gott sei Dank! Sonst wäre das Schicksal von vielen Blättern und Heftli schon längst besiegelt und Tausende von Mitarbeitern würden auf der Strasse stehen. Es wäre auch nicht schlecht für die Schreiberlinge und vor allem für den Umsatz. Und damit wären wir wieder am Ausgangspunkt im Lauf um die Wette der fetten Schlagzeilen und dem Lebenselixier der reichen Verlage. So ist wenigsten einer mit Gewalttaten, Verbrechen und Katastrophen reicher geworden und viele kleine Mitarbeiter werden glücklich um den Weihnachtsbaum sitzen und sich freuen, dass sie eine flotte Weihnachtsbescherung in Nötli bekommen haben, eben auch mit Hilfe des Fettgedruckten.

Auch ich habe Schlagzeilen gemacht, nur sind diese leider nicht in Nötli umgesetzt worden. Ich bin nämlich schon zwei Mal in den letzten 10 Tagen auf dem Weg zu meinem Haus ausgerutscht und habe mir wehgetan. Im Grunde genommen ist das Verhältnis in meinen Haushalt zu dem der Zeitungswelt genau gleich. Seit diesen "Ausrutschern" stehe auch ich bei meiner Frau in den Schlagzeilen. "Wie kann man nur so blöde sein und auf dem Eis ausrutschen." Dabei vergessen meine Frau und auch meine Nachbarn, dass vor drei Jahren auch Lizzy Hawker die bekannte Marathonläuferin auf einer Eisplatte ausgerutscht ist. Die Marathonqueen aus England, die sonst nächtelang durch die Alpen rennt, über Stock und Stein keinen Fuss verknackt und hinunterhüpft als wäre sie ein Känguru, steht ebenso wackelig auf den Füssen wie ich. Und dies will was heissen.

Also bitte! So habe auch ich gemerkt, wenn ich etwas aussergewöhnliches vollbringe, lohnt es sich eher darüber zu reden, als wenn alles paletti ist. Mirt tut der Kopf, der Rücken, die Hüften, die Oberschenkel, die Knie, die Waden und die Füsse weh. Das macht den kleinen Unterschied aus. Auch fragen mich die Nachbarn besorgt, wieso ich den umherhinke. Wenn ich fröhlich spazierend durchs Quartier schreite, interessiert das keine müde Essiggurke. Aber so, stehe ich wenigsten in den Schlagzeilen und bin im Gespräch.

So ist mir jetzt langsam ein Lichtlein aufgegangen, ein Lichtlein, wieso das mit dem Euro, der Frau Merkel und dem Herrn Sarkozy so viel Kohle abwirft und alle es bedauern würden, wenn das Euroländle ebenfalls Pleite ginge. Sie hätten nichts mehr zu schreiben - die Schreiberlinge, sie hätten nichts mehr zu verdienen - die Herren Grossverleger und sie hätten nichts mehr im Zahltagssäckli - die Herren und Damen Mitarbeiter der grossen Druckereien und Zeitungsredaktionen, und dies wäre doch wirklich schade.

So hoffen wir alle, dass die böse Welt so weitermacht, dass die Politiker weiter das grosse Geld und ihre Versprechungen in den Sand setzten und natürlich, dass ich zum dritten Mal auf dem Eisfeld unterhalb meines Hauses auf den Hosenboden falle, nur im Falle eines Falles, sonst hätten auch meine Nachbarn keinen Grund mehr, sich bei mir um meine Gesundheit zu erkundigen.

Leserkommentare (0) »