Samstag, 26. Mai 2012, 19:47:16 Uhr

02. Dezember 2011, 10:28

Passion Bild - Von der Sowjetunion zu Russland

Russische Kunst seit 1970 - Die Sammlung Arina Kowner

Das Kunstmuseum Bern gewährt Einblick in eine der bedeutendsten Sammlungen russischer Gegenwartskunst. Die Sammlung von Arina Kowner umfasst über 200 Werke von 48 Künstlerinnen und Künstlern aus den Jahren 1970 bis 2008. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in der Wendezeit (1984–1996) und stellt damit eine kunsthistorische Dokumentation dieser einmaligen Epoche des Aufbruchs dar. Die Ausstellung setzt die Reihe von Ausstellungen russischer Gegenwartskunst in Bern fort. Titelbild Sergei Borisov Vladislav Mamyshev als Marilyn Monroe1991
Fotografie, 24 x 18 cmSammlung Arina Kowner© Der Künstler

Zürich, 2.12.11 Red. (mk) Die Zürcher Sammlerin Arina Kowner, selber russischer Abstammung, kennt oder kannte viele der Kunstschaffenden, von denen sie Werke besitzt. «Zumeist ist eine persönliche Begegnung mit dem Kauf eines Werkes verbunden», erklärt sie und bezeichnet ihre Sammlung denn auch als «eine Dokumentation von Erinnerungen, die mein Leben prägten». Dialog über Grenzen hinweg Leningrad und Moskau waren die beiden Zentren, in denen sich Künstler aus der ganzen Sowjetunion zusammenfanden. In beiden Städten entwickelten sich in Thematik und Bildsprache unterschiedliche Kunstströmungen, die sich in der Sammlung widerspiegeln.

Gezeigt werden in der Ausstellung zum einen bekannte russische Nonkonformisten, die den von der Partei geforderten sozialistischen Realismus ablehnten und bis 1989 im Untergrund tätig waren. Darunter sind Kunstschaffende wie Grisha Bruskin, Vladimir Nemukhin, Dmitri Prigov und Edik Steinberg. Zum anderen sind hierzulande noch wenig bekannte Leningrader Künstler mit Werken vertreten. So Sergei Bugaev, genannt «Afrika», oder Timur Novikov, die Zentralfigur der Lenigrader Kunst- und Kulturszene, aber auch der grosse Provokateur Vladislav Mamyshev, der sich «Monroe» nennt, und auch als solche auftritt.

Das Interesse der Sammlerin geht aber über russische Gegenwartskunst hinaus. In der Kunst, die sie in den Bann zieht, werden nie nur die Probleme der veränderten Lebensbedingungen in Russland thematisiert, sondern es werden auch grosse Daseinsfragen gestellt. So lag es auf der Hand, dass sich die Sammlerin auch für westliche Kunst interessierte. In der Ausstellung treten deshalb Werke aus Arina Kowners Sammlung von Künstlern wie Alois Lichtsteiner, Robert Mangold, Bruce Nauman, Markus Raetz und Andy Warhol in einen Dialog mit den russischen Positionen.

Bern als Schlüsselort der russischen Avantgarde Ausstellungen inoffizieller Kunst aus Moskau und Leningrad, die in der Glasnost- und Perestroikaphase im Westen möglich wurden, waren das grosse Kunstthema der 1980er- und frühen 1990er-Jahre. Die erste grosse Ausstellung von Ilya Kabakov im Westen fand 1984 auf Initiative des Schweizer Diplomaten Paul Jolles in der Kunsthalle Bern statt. Bern wurde zu einem Schlüsselort der russischen Avantgarde. 1988 präsentierte das Kunstmuseum Bern die legendär gewordene Schau Ich lebe – Ich sehe. Künstler der achtziger Jahre in Moskau. Die sich anbahnenden Umbrüche liessen sich bereits erahnen. 2005 folgte die Ausstellung Avantgarde im Untergrund – die Sammlung Bar-Gera. Die jetzige Präsentation setzt so die Reihe von Ausstellungen mit russischer Gegenwartskunst fort.

Mit Werken u.a. von: Grisha Bruskin, Sergei Bugaev (genannt «Afrika»), Alois Lichtsteiner, Vladislav Mamyshev, Robert Mangold, Bruce Nauman, Vladimir Nemukhin, Timur Novikov, Dmitri Prigov, Markus Raetz, Edik Steinberg und Andy Warhol.

Die Ausstellung
Eröffnung: Freitag, 2. Dezember 2011, 18h30
Dauer: 03.12.2011 – 12.02.2012
Kuratoren: Matthias Frehner, Monika Schäfer
Eintritt: CHF 18.00 / red. CHF 14.00

Das Rahmenprogramm

Öffentliche Führungen: Sonntag, 11h: 4./11. Dezember, 15./29. Januar, 12. Februar und Dienstag, 19h: 6./13./27. Dezember, 3./17./31. Januar, 7. Februar Filme im Kino Kunstmuseum: Das Kino Kunstmuseum zeigt im Januar u.a. den
sowjetischen Kultfilm Assa (1987) von Sergei Solovyov, an dem mehrere der in der Ausstellung vertretenen Künstler beteiligt sind, ausserdem Alexander Sokurovs Russian Ark (2002) www.kinokunstmuseum.ch

KUNSTMUSEUM BERN

Kurs in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bern: Dienstag, 17h30 – 18h45: 17./24./31. Januar Vorweihnachtliches Konzert mit russischer Musik: Alexander Neustroev (Cello) und Oleg Lips-Roumiantsev (Akkordeon / Bajan): Sonntag, 11. Dezember, 12h30. 11h öffentliche Führung.

Eine Veranstaltung des Kulturvereins «OKNO – Fenster zur russischen Kultur». Ohne Anmeldung, CHF 35.00 (inkl.
Ausstellungseintritt)


Die Ausstellung steht unter dem Patronat von: Seine Exzellenz Igor B. Bratchikov, Botschafter der Russischen Föderation in der Schweiz. Mit der Unterstützung von:
Stiftung GegenwART, Dr. Hansjörg Wyss

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Sergei Bugaev ‚Afrika’ Rot (Hommage an El Lissitzky), 1991 Acryl auf Holzfaserplatte, 100 x 150 cm Sammlung Arina Kowner © Der Künstler

Vladislav Gutsevich Pansionat (Erholungsheim), 1989 Öl auf Leinwand, 74 x 93 cm Sammlung Arina Kowner © Der Künstler

Igor MakarevichMalevichMakarevich Buratino – BaueNr. 4, 1992 Öl auf Leinwand, 70 x 60 cm Sammlung Arina Kowner © Der Künstler

Viktor Pivovarov Rot und Gelb, 2004 Öl auf Leinwand auf Hartfaserplatte, 40 x 55 cm Sammlung Arina Kowner © Der Künstler

Igor Vishniakov Akt II, 2005 Fotografie/Gummiarabikum auf Papier, 116 x 77 cm Sammlung Arina Kowner © Der Künstler

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