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01. Oktober 2010, 16:44

Der „Iron Man“ unter den Vögeln

In der Reihe „Der Nationalpark für Entdecker“ berichtet die Nationalparkverwaltung diesmal über die Rekordleistung eines Vogels, der nicht ohne Grund zur Symbolart der ersten Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gewählt wurde… (Nationalreservatsverwaltung Wattenmeer)

Brüttisellen, 1.10.10 Red. (mk) (NLPV) Dass Vögel gerne und weit ziehen, ist Wattenmeer-Freunden bekannt, aber wozu Zugvögel tatsächlich in der Lage sind, das verdient schon besonderen Respekt: Eine Pfuhlschnepfe mit dem schönen Namen „E7“ hat es erwiesenermaßen geschafft, 11.500! (in Worten: elftausendfünfhundert) Kilometer „Non Stop“, ohne jede Pause, von Alaska nach Neuseeland zu fliegen. Und das in nur sieben Tagen, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 56 km/h. Andere Zugvogelarten wie die Seeschwalben fliegen zwar schon mal 20.000 Kilometer weit, leisten sich dabei aber den Luxus von vielen kleinen Zwischenstopps.

Um das Zugverhalten der Pfuhlschnepfen zu erforschen, hatten neuseeländische Wissenschaftler 16 Vögel des pazifischen Bestandes mit kleinen Satellitensendern versehen. So konnten sie das Zugverhalten genau verfolgen. Was da an schier unglaublichen Flugbewegungen zusammen kam, zeigt ein Blick auf den Flugplan von „E7“:

Mitte März: Abflug von Neuseeland, 10.000 km in Richtung China

April/ Mai: Auftanken in China am gelben Meer

Ende Mai: Weiterflug über den Pazifik, 7.300 km bis nach Alaska

Juni bis August: Brut und Jungenaufzucht

Ende August: Non-Stop-Rückflug 11.500 km von Alaska bis Neuseeland

September: Ankunft in Neuseeland

„Hut ab, kleine Schnepfe!“ Und dabei hätte E7 bei ihrem Langstreckenflug den Verlockungen der Südsee erliegen und auf den Fidschi-Inseln oder auf Hawaii zwischenlanden können. Es wäre ihr auch möglich gewesen, den besonders beschwerlichen Weg über den offenen Pazifik abzukürzen. Hat sie aber nicht. Als wäre sie sich ihrer Mission eines neuen Streckenflugrekordes bewusst gewesen, flog sie geradewegs zurück nach Neuseeland. Für die Wissenschaftler ein deutliches Zeichen, dass für die Pfuhlschnepfe solche Entfernungen keine Besonderheiten sind. Bei ihren Flügen ist die Pfuhlschnepfe übrigens nicht allein unterwegs, sie bevorzugt kleine Reisegesellschaften zwischen 30 und 70 Tieren, die sich dann an ihren Rastplätzen zu großen Trupps vereinen.

Wer Artgenossen dieser Hochleistungssportler gern einmal sehen möchte, braucht aber nicht extra zum Pazifik zu reisen. Pfuhlschnepfen sind regelmäßig bei uns im Nationalpark zu Gast. An ihrem langen, ganz leicht nach oben gebogenen Schnabel, mit dem sie im Watt nach Würmern stochern, sind sie gut zu erkennen. Bis zu 60.000 Pfuhlschnepfen rasten jetzt im Herbst im deutschen Wattenmeer. Im Frühjahr, wenn zwei Populationen durchziehen, können es sogar doppelt so viele sein. Während der europäische Bestand, der in Nordskandinavien brütet und an den Küsten von Deutschland bis Spanien überwintert, je nach Witterungsverlauf z.T. nur schlappe 1500 km weit fliegt, bringt es der sibirische Bestand auf seinem Weg von den Brutgebieten Sibiriens über das Wattenmeer bis hin zu den Überwinterungsgebieten in West- und Südafrika immerhin auf stolze 8.000 bis 10.000 Kilometer Flugstrecke pro Weg.

Nicht überall erfahren die tapferen Vögel die nötige Gastfreundschaft. So bedrohen z. B. Großeindeichungen in Korea und China die Rastgebiete der dortigen Population. Umso wichtiger ist es, dass wir in unserem Nationalpark alles tun, um das Überleben der hiesigen Population dieser erstaunlichen Vogelart zu sichern. Und noch eine wichtige Sache machen uns diese gefiederten Weltenbummler deutlich: Effektiver Vogelschutz endet nicht an den Grenzen eines Schutzgebietes, sondern erfordert weltweite Bemühungen.

Mit dieser unglaublichen Leistung der Pfuhlschnepfe, unserer Symbolfigur der ersten Zugvogeltage, soll unsere kleine Entdeckertour in die Welt der Zugvögel enden. Wir hoffen, dass Ihnen die unsere Entdecker – Sonderedition zum Thema Zugvögel gefallen hat und wünschen Ihnen weiterhin viele spannende Zugvogelerlebnisse im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

2.Zugvogeltage im Wattenmeer

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