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05. Mai 2010, 10:29
Albert Anker – Schöne Welt. Zum 100. Todestag - Chantal Michel
Nah bei den Menschen - Ausstellung vom 7. Mai . - 5. September 2010
Das Kunstmuseum Bern zeigt zum 100. Todestag von Albert Anker eine grosse Retrospektive über das vielfältige Werk dieses zentralen Schweizer Künstlers. Die Ausstellung greift einige typische Anker-Themen auf und verdeutlich, dass Anker ein brillanter Maler war. Ergänzt wird die Präsentation mit Videoarbeiten der Berner Performance- und Medienkünstlerin Chantal Michel.
5.5.2010 Brüttisellen, Red. (mk) Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Anker-Schau, die das Kunstmuseum Bern 2007-2008 für vier japanische Museen veranstaltet hat und die dort einen grossen Erfolg verzeichnete. Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Fayencen. Die Ausstellung ist zweifellos ein Höhepunkt im Jahr der Feierlichkeiten rund um den 100. Todestag von Anker.
Photographische Präzision
Anker stellte die Welt mit photographischer Präzision dar. Als Maler war er Zeuge der sozialen Veränderungen seiner Zeit. Ins, ein Ort im Seeland, der im 19. Jahrhundert grosse Entwicklungen durchmachte, war Ankers Heimatdorf. Zeitlebens hat er aktiv am Dorfleben teilgenommen, auch wenn er lange im Winterhalbjahr jeweils in Paris lebte und arbeitete. Häufig dokumentierte er Momente des unbeschwerten Zusammenlebens unterschiedlicher Generationen in der Dorfgemeinschaft. Viele seiner Gemälde zeigen Kinder in der Schule, auf Schulausflügen, beim Lernen oder Spielen. Als Sekretär der Schulkommission in Ins war er mit dem Bildungswesen vertraut. So widerspiegeln seine Gemälde die Entwicklung des Schulwesens der Schweiz und vermitteln ein damals neues Verständnis von Kindererziehung, Bildung und spielerischem Lernen.
Der Mensch im ländlichen Alltag
Anker hat mit viel Empathie Bildnisse der Leute geschaffen, die ihn seinem ländlichen Alltag umgaben. Vor allem seine Kinderdarstellungen sind einzigartig in der Kunst des 19. Jahrhunderts. Anker erfasste das Kind als kleine Persönlichkeit, unabhängig von der Rolle innerhalb seiner sozialen Schicht, Alter und Geschlecht. Die menschliche Präsenz ist auch in seinen Stillleben spürbar u. a. weil die dargestellten Gegenstände vom Gebrauch gezeichnet sind. Ankers Darstellungen sind glaubwürdig und wirken vertraut. Wahrheit und Schönheit stehen bei ihm nicht im Widerspruch. Sein intimer und lichterfüllter Realismus berührt noch heute dank seiner Nähe zum Menschen.
Zeitgenössischer Traum von Chantal Michel
Die Brücke in die Gegenwart wird von Chantal Michel geschlagen. Die Berner Performance- und Medienkünstlerin stellt sich der Herausforderung, eine angemessene zeitgenössische Antwort auf einen Altmeister der Schweizer Kunstgeschichte zu formulieren. Chantal Michel beschäftigt sich schon lange und intensiv mit Anker. Sie selbst begreift ihre Videoinstallation, die sie eigens für die Ausstellung geschaffen hat, als "zeitgenössischen Traum in Ankers Bildwelt". Ihre Arbeit umfasst sechs Projektionen von insgesamt vierzig verschiedenen Videofilmsequenzen.
Albert Anker – Biographie
1831 Geboren am 1. April in Ins, als zweites von drei Kindern des Tierarztes Samuel Anker und Marianne Elisabeth Gatschet. Schulen in Neuchâtel.
1845–48 Privatunterricht im Zeichnen bei Louis Wallinger (1819–1886).
1847 Tod des Bruders Rudolf und der Mutter.
1849–51 Gymnasium in Bern. Maturität. Beginn des Theologiestudiums an der Universität Bern. Im September
1851 erste Reise nach Paris.
1852–54 Juni 1852 Tod der Schwester Luise. Fortsetzung des Theologiestudiums an der Universität Halle in Deutschland. Im Herbst 1854 geht er nach Paris. Wird Schüler des Waadtländer Klassizisten Charles Gleyre (1806–1874).
1855–60 Besuch der Ecole Impériale et Spéciale des Beaux-Arts. Ab 1856 Teilnahme an Turnus-Ausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins.
1859–85 Teilnahme am Pariser Salon.
1860 Tod des Vaters. Von nun an verbringt Anker regelmässig den Sommer in Ins, den Winter in Paris.
1861 Erste Reise nach Italien, gemeinsam mit seinem Freund François Ehrmann.
1864 Heirat mit Anna Ruefli (1835–1917) aus Biel. Sechs Kinder werden geboren: 1865 Louise / 1867 Rudolf (†1869) / 1870 Emil (†1871) / 1872 Marie / 1874 Moritz / 1877 Cécile.
1866 Am Pariser Salon erhält Anker eine Goldene Medaille.
1870–74 Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern, setzt sich für den Bau des Berner Kunstmuseums ein.
1878 Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.
1889 Wird gemeinsam mit Frank Buchser, Arnold Böcklin, François Bocion u.a. in die Eidgenössische Kunstkommission gewählt.
1890 Aufgabe seines Wohnsitzes in Paris. Beginn mit den Illustrationen zur Gotthelf-Ausgabe, wiederholte Reisen ins Emmental.
1891–01 Mitglied der Eidgenössischen Kommission der Gottfried Keller-Stiftung.
1900 Doctor honoris causae der Universität Bern.
1901 Ende September Schlaganfall. Behinderung seiner rechten Hand. Weitgehende Aufgabe der Ölmalerei.
1910 Anker stirbt am 16. Juli in Ins.
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